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Audi R15 (2010)

Audi R15 TDI

Als erster Automobilhersteller der Welt hat die AUDI AG einen Diesel-Rennsportwagen der zweiten Generation entwickelt. Für die Saison 2010 hat Audi den Diesel-Rennsportwagen R15 TDI nochmals weiterentwickelt – mit einem primären Ziel: dem Sieg in Le Mans. 

“Die LMP1 ist aus der Sicht von Audi die bessere Alternative zur Formel 1, weil in dieser Kategorie des Motorsports Technologien und Entwicklungen zum Einsatz kommen, die für die Serie relevant sind”, erklärt Audi-Motorsportchef Dr. Wolfgang Ullrich. “In Le Mans kommt es vor allem auf Effizienz an – und genau das ist heute mehr denn je auch bei Serienfahrzeugen gefragt, und dies ist eine besondere Stärke von Audi.” 

Bei der Weiterentwicklung des R15 TDI stand das Thema Effizienz daher besonders im Fokus – vor allem das komplexe Gebiet der Aerodynamik. “Das Le-Mans- Reglement schreibt in diesem Jahr für Diesel-Fahrzeuge Luftmengenbegrenzer mit kleinerem Durchmesser und einen verringerten Ladedruck vor”, sagt Dr. Martin Mühlmeier, Leiter Technik bei Audi Sport. “Aufgrund der reglementbedingten reduzierten Motorleistung haben wir versucht, die Aerodynamik noch effizienter zu gestalten und die Cw- und Abtriebswerte zu verbessern.”

Die gesamte Karosserieform des R15 TDI wurde überarbeitet und auf Effizienz getrimmt. Gleiches gilt für das modifizierte Kühl- und Tanksystem. Der V10-TDI-Motor wurde für die kleineren Luftmengenbegrenzer und den reduzierten Ladedruck optimiert. Die beiden Luftdurchlässe schrumpften von 37,9 auf 37,5 Millimeter, also um knapp zwei Prozent. Der bei Turbomotoren so entscheidende Ladedruck musste von 2,75 auf 2,59 bar verringert werden. Das entspricht einer deutlich spürbaren Reduktion von 5,8 Prozent.

“Unser Ziel war es, den Leistungsverlust trotz der Beschneidung durch das Reglement so gering wie möglich zu halten”, erklärt Ulrich Baretzky, Leiter Motorentechnik bei Audi Sport. “Das ist uns mit viel Detailarbeit gelungen.” Das 5,5 Liter große Triebwerk leistet weiterhin mehr als 440 kW. Selbstverständlich reinigen zwei Diesel-Partikelfilter die Abgase des Audi R15 TDI. Das noch immer enorme Drehmoment wird über ein pneumatisch geschaltetes Fünfgang-Getriebe an die Hinterräder weitergegeben.

“In unserem Lastenheft standen nach Le Mans 2009 rund 20 wichtige Punkte”, sagt Dr. Martin Mühlmeier. “Dabei ging es vor allem um Effizienz und Zuverlässigkeit, aber auch um Details wie eine bessere Ausleuchtung der Rennstrecke bei Nacht. Diesen Fahrerwunsch konnten wir mit einem neuen Scheinwerferkonzept erfüllen.”

Selbstverständlich verfügt auch die neue Generation des Audi R15 TDI über ein besonders effizientes elektrisches System. Eine Lithium-Ionen-Batterie und die LED- Scheinwerfer stehen für optimale Lichtausbeute bei geringem Bauteilgewicht.

Die 2010er-Version des Audi R15 TDI absolvierte Anfang März auf der Audi-Teststrecke in Neustadt ein Roll-out. Anschließend wurde der Prototyp zu ersten Testfahrten in die USA geflogen. In erster Linie wurden dort Aerodynamikversuche durchgeführt. Anschließend folgte ein fünftägiger Dauerlauf in Sebring, bei dem rund 5.500 Kilometer ohne nennenswerte technische Probleme abgespult wurden.

TECHNISCHE DATEN

Fahrzeugtyp: Le Mans-Prototyp (LMP1)

Monocoque: Verbundfaserkonstruktion aus Carbonfasern mit Aluminiumwabenkern, getestet nach den strengen FIA-Crash-und Sicherheitsstandards

Motor: V10-Motor, 90-Grad-Zylinderwinkel, 4 Ventile pro Zylinder, DOHC, 2 Garrett-Turbolader, zwei Luftmengenbegrenzung à 37,5 mm, Ladedruckbegrenzung auf 2,59 bar absolut, Dieseldirekteinspritzung TDI, zwei Dow-Automotive-Diesel-Partikelfilter

Elektrik/Elektronik: Lithium-Ionen-Batterie/Bosch MS14

Motorschmierung: Trockensumpf

Hubraum: 5.500 ccm

Leistung: Über 440 kW

Drehmoment: Über 1.050 Nm

Antrieb/Kraftübertragung: Antriebsart Heckantrieb, Traktionskontrolle (ASR)

Kupplung: CFK-Kupplung

Getriebe: Sequenzielles, pneumatisch betätigtes 5-Gang-Sportgetriebe, Partner X-trac

Differenzial: Mechanisches Sperrdifferenzial

Antriebswellen: Gleichlauf-Tripode-Verschiebegelenkwellen

Lenkung: Elektrounterstützte Zahnstangenlenkung

Fahrwerk: Vorn und hinten Einzelradaufhängung an Doppelquerlenkern, Pushrod-System mit Drehstabfedern und einstellbaren Stoßdämpfern

Bremsen: Hydraulische Zweikreis-Bremsanlage, Monoblock-Leichtmetall-Bremssättel, belüftete Kohlefaser-Bremsscheiben vorn und hinten, Bremskraftverteilung vom Fahrer stufenlos einstellbar

Felgen: O.Z. Schmiedefelgen aus Magnesium, vorn: 13,5 x 18 Zoll, hinten: 14,5 x 18 Zoll

Reifen: Michelin Radial, vorn: 33/68-18, hinten: 37/71-18

Gewichte/Abmessungen: Länge 4.650 mm, Breite 2.000 mm, Höhe 1.030 mm, Startgewicht 930 kg, Tankinhalt 81 l