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Audi R8

Audi R8

Der Audi R8 hat einen ganz besonderen Stellenwert in der Historie von Joest Racing. Mit dem Ingolstädter Sportwagen gewann das Team dreimal in Folge die 24 Stunden von Le Mans und viermal hintereinander die American Le Mans-Serie (ALMS).

Die Mannschaft von Reinhold Joest war als Einsatzteam von Anfang an in die Entwicklung des R8 eingebunden. “Wir haben versucht, all unsere Erfahrung mit einfließen zu lassen”, erklärt Ralf Jüttner, Technischer Direktor und einer der beiden Geschäftsführer der Joest Racing GmbH. “Mit dem R8 ist Audi Sport ein ganz großer Wurf gelungen. Auch in seiner sechsten Rennsaison ist der R8 noch immer der Maßstab - und seine Zuverlässigkeit ist unglaublich: Wir hatten in allen Renneinsätzen nur einen einzigen technischen Defekt, und das war ein Kupplungsschaden.”

Im vergangenen Jahr feierte der erfolgreichste Le Mans-Prototyp aller Zeiten beim 1000-Kilometer-Rennen in Spa-Francorchamps seinen 50. Sieg. Besonders eindrucksvoll ist dieser Meilenstein, weil er in lediglich vier Jahren bei nur 60 Renneinsätzen erreicht wurde. 33 der Siege gegen auf das Konto des Audi Sport Team Joest.

Seit seinem Debüt beim 12-Stunden-Rennen in Sebring im März 2000 ist der Audi R8 der Sport-Prototyp, den es zu schlagen gilt. Fünfmal gewann der R8 die berühmten 24 Stunden von Le Mans. In Sebring blieb er mit sechs Siegen in Folge von 2000 bis 2005 genauso ungeschlagen wie beim “Petit Le Mans” in Road Atlanta. Sechsmal hintereinander haben R8-Piloten die American Le Mans-Serie (ALMS) gewonnen. Und auch in der 2004 erstmals ausgetragenen Le Mans Endurance-Serie (LMES) war der R8 auf Anhieb eine Klasse für sich.

Der unter Leitung von Audi Motorsportchef Dr. Wolfgang Ullrich sowie Wolfgang Appel (Fahrzeugtechnik) und Ulrich Baretzky (Motorentechnik) entwickelte R8 hat dabei nicht nur in Sachen Performance neue Maßstäbe bei Sportwagen-Rennen gesetzt. Geradezu sprichwörtlich ist seine Zuverlässigkeit: Bis heute gab es keinen einzigen Motorschaden bei einem Renneinsatz. 

Seit der Saison 2001 verfügte der V8-Motor des Audi R8 über die weltweit einmalige Kombination von FSI- und Turbo-Technologie. Sie kommt inzwischen auch bei den neuen Modellen A3 und A4 2.0T erfolgreich zum Einsatz. Der Vorteil dieser ist im Motorsport derselbe wie im Alltag: geringerer Benzinverbrauch bei gleichzeitig besserem Ansprechverhalten. “Dadurch konnten wir in Le Mans mit einer Tankfüllung eine Runde länger fahren als die Konkurrenz”, weiß Ralf Jüttner.

Auch in vielen anderen Bereichen demonstrierten die Audi-Ingenieure beim R8-Projekt “Vorsprung durch Technik”. So war der R8 der erste Le Mans-Prototyp mit einer pneumatisch betätigten Schaltung. Außerdem entwickelte Audi ein einzigartiges System, das den Wechsel des gesamten Hinterwagens in knapp vier Minuten ermöglichte – ein faszinierendes Schauspiel, das allerdings mittlerweile vom Reglement verboten wurde.

Andere Regeländerungen zielten auf die Performance der Le Mans-Prototypen ab. So muss der Audi R8 inzwischen mit weniger Leistung (ca. 520 statt ursprünglich 610 PS) und einem schmaleren Heckflügel auskommen. Trotzdem ist der R8 vor allem über die Renndistanz noch immer eine Klasse für sich. 

Gerätselt wurde lange über die Bedeutung der Typenbezeichnung “R8”. Die Erklärung ist einfach: Seit dem legendären Ur-quattro nummeriert Audi Sport alle Fahrzeug-Projekte intern durch. Beim R8 wurde der Projektname auch zum offiziellen Namen des Wagens und ist nun Synonym für den erfolgreichsten Le Mans-Prototyp der Welt, der auch bei seiner Abschiedstournee 2006 noch Rennen gewann. So auch bei seinem letzten Einsatz in Lime Rock (USA): Beim 80. Rennen markierte der R8 seinen 63 Sieg - der würdevolle Abtritt einer Legende.

Technische Daten (2003)

Monocoque: Kohlefaser, Crash-Struktur ACO und FIA geprüft. CFK-Überrollbügel vorne und hinten,

Karosserie: Kohlefaser

Motor: V8-Motor mit Turboaufladung, 90-Grad-Zylinderwinkel, 4 Ventile pro Zylinder, 2 Garrett-Turbolader, reglement-bedingte Luftmengenbegrenzung auf 2 x 30,7 mm und Ladedruckbegrenzung auf 1,67 bar absolut, Benzindirekteinspritzung FSI

Hubraum: 3600 ccm

Leistung: 550 PS

Drehmoment: über 700 Nm

Kraftübertragung: Heckantrieb

Getriebe: sequenzielles 6-Gang-Sportgetriebe, Partner Ricardo

Fahrwerk: Einzelradaufhängung vorne und hinten. DoppelquerlenkerAufhängung. Pushrod-System mit Feder/Dämpfer-Einheit, einstellbare Gasdruckstoßdämpfer

Bremsen: hydraulische Zweikreisbremsanlage, Monoblock-Leichtmetall-Bremssättel, innenbelüftete Kohlefaser-Bremsscheiben vorne und hinten, Bremskraftverteilung vom Fahrer stufenlos einstellbar

Länge: 4650 mm

Breite: 2000 mm

Höhe: 1080 mm

Mindestgewicht: 900 Kilogramm

Tankinhalt: 90 Liter