Audi R18 e-tron quattro

Audi R18 e-tron quattro 2013

Der Audi R18 e-tron quattro startet 2013 erst in seine zweite Rennsaison – aber schon jetzt ist er eine Legende: Genau wie der Audi R10 TDI wurde der erste Hybrid-Rennwagen, der die 24 Stunden von Le Mans gewann, von einer Jury des Automobile Club de l’Ouest (ACO) zu einem der zehn bedeutendsten Le-Mans-Rennwagen aller Zeiten gewählt.

Technische Meilensteine bei den 24 Stunden von Le Mans sind für Audi nichts Ungewöhnliches: Die Marke mit den Vier Ringen nutzt den Langenstrecken-Klassiker seit jeher konsequent für den Einsatz neuer Technologien – TFSI, TDI, VTG, ultra-Leichtbau oder eben e-tron quattro sind gute Beispiele für den Pioniergeist der Marke im Motorsport.

Durch die intelligente Kombination einer konventionell angetriebenen Hinterachse mit einer elektrisch angetriebenen Vorderachse wird der Audi R18 zum e-tron quattro – dem ersten Rennwagen von Audi, der nicht mehr ausschließlich von einem Verbrennungsmotor angetrieben wird. Das im Vorderwagen platzierte System besteht aus zwei Antriebswellen und einer Motor-Generator-Einheit (MGU) mitsamt Planetengetriebe, das seine Energie aus einem neben dem Fahrer im Cockpit platzierten elektrischen Schwungrad-Speicher bezieht.

Die Speicherung der Energie erfolgt beim Bremsen. Dabei treiben die Vorderräder die Motor-Generator-Einheit an. Diese beschleunigt elektrisch ein Kohlefaser-Schwungrad, das im Hochvakuum läuft. Ist die Kurve durchfahren und der Fahrer beschleunigt wieder, gibt das System die Energie an die Vorderachse ab – reglementbedingt allerdings erst ab einer Geschwindigkeit von 120 km/h. „Dadurch wird der Vorteil, den wir theoretisch mit dem elektrischen quattro-Antrieb haben könnten, natürlich stark eingeschränkt“, erklärt Audi-Motorsportchef Dr. Wolfgang Ullrich. Auch die maximale Energiemenge, die zwischen zwei Bremsphasen an die Vorderräder abgegeben werden darf, ist vom Reglement limitiert.

Das Hybrid-System und der quattro-Antrieb sind aber nicht die einzigen Besonderheiten des Audi R18 e-tron quattro. Nur mithilfe konsequenten ultra-Leichtbaus war es möglich, das vom Reglement zulässige Mindestgewicht zu realisieren – und das, ohne die Aspekte Sicherheit und Zuverlässigkeit zu vernachlässigen.

Dabei setzte Audi Sport den Hebel in allen entscheidenden Bereichen an: beim Chassis genauso wie beim Motor und der Kraftübertragung. Der R18 sorgte schon 2011 mit einem Kohlefaser-Monocoque in einteiliger Bauweise für Aufsehen – ein Novum bei den Le-Mans-Prototypen. Dadurch fällt die Sicherheitszelle besonders leicht aus, sie ist aber gleichzeitig extrem stabil und sicher. 2012 folgte eine Innovation im Bereich der Kraftübertragung: Für den R18 wurde ein neues Getriebe mit CFK-Gehäuse entwickelt – ebenfalls eine Premiere auf der Langstrecke. Und auch im Bereich des Fahrwerks kommen neuartige Materialien und Fertigungsverfahren zur Massenreduktion zum Einsatz.

Der besonders kompakte und in seiner Architektur innovative 3,7-Liter-V6-TDI-Motor mit Mono-Turbolader trägt einen erheblichen Teil dazu bei, das zusätzliche Gewicht des Hybrid-Systems zu kompensieren. Trotz immer neuer reglementbedingter Restriktionen holt Audi Sport dank der Effizienz des Gesamtkonzeptes dabei noch immer über 360 kW (490 PS) und ein maximales Drehmoment von mehr als 850 Nm aus dem Triebwerk.

Zahlreiche weitere technische Innovationen wie eine elektromechanische Lenkung, ein digitaler Rückspiegel, der im Cockpit das rückwärtige Geschehen auf einem AMOLED-Display abbildet, oder die extrem hellen Voll-LED-Scheinwerfer machen den R18 e-tron quattro zu einem einzigartigen Technologieträger.

Obwohl bei Audi Sport längst der R18-Nachfolger für das ab 2014 gültige neue LMP1-Reglement entsteht, wurde der Audi R18 e-tron quattro für die Saison 2013 in zahlreichen Details überarbeitet. Das Schwungrad-Speichersystem ist noch leistungsfähiger. Die MGU leistet nun über 2 x 80 kW statt bisher 2x 75 kW. Die aerodynamische Effizienz des R18 wurde weiter optimiert, der ultra-Leichtbau konsequent fortgesetzt. Und der im vergangenen Jahr erstmals eingesetzte digitale Rückspiegel wurde um zwei nach vorn gerichtete Kameras ergänzt, um für den Fahrer auch nach vorn die maximale Übersicht sicherzustellen.

Seine Rennpremiere feiert der Audi R18 e-tron quattro des Modelljahres 2013 am 16. März beim 12-Stunden-Rennen in Sebring (Florida).

Technische Daten Audi R18 e-tron quattro

Fahrzeugtyp: Le Mans Prototyp (LMP1)

Monocoque: Verbundfaserkonstruktion aus Carbonfasern mit Aluminiumwabenkern, getestet nach den strengen FIA-Crash- und Sicherheitsstandards

Batterie: Lithium-Ionen-Batterie

Motor: V6-Motor mit Turboaufladung, 120-Grad-Zylinderwinkel, 4 Ventile pro Zylinder, DOHC, 1 Garrett-Turbolader, reglementbedingte Luftmengenbegrenzung auf 1 x 45,1 mm und Ladedruckbegrenzung auf 2,8 bar absolut, Dieseldirekteinspritzung TDI, Aluminium-Zylinderkurbelgehäuse voll tragend, Dieselpartikelfilter

Motormanagement: Bosch MS24

Motorschmierung: Trockensumpf, Castrol

Hubraum: 3.700 ccm

Leistung: über 360 kW / 490 PS

Drehmoment: über 850 Nm

Hybrid-System: elektrischer Schwungradspeicher, max. 500 KJ, WHP

Motor-Generator-Einheit (MGU): MGU an der Vorderachse, wassergekühlt mit integrierter Leistungselektronik, 2 x 80 kW

Antrieb / Kraftübertragung: Heckantrieb, Traktionskontrolle (ASR), Allradantrieb e-tron quattro ab 120 km/h*

Kupplung: CFK-Kupplung

Getriebe: Sequenzielles, elektrisch betätigtes 6-Gang-Sportgetriebe

Differenzial: Sperrdifferenzial hinten

Getriebegehäuse: CFK mit Titan-Inserts

Antriebswellen: Gleichlauf-Tripode-Verschiebegelenkwellen

Lenkung: Elektrounterstützte Zahnstangenlenkung

Fahrwerk: Vorne und hinten Einzelradaufhängung an Doppelquerlenkern, Pushrod-System an VA und Pullrod-System an HA mit einstellbaren Stoßdämpfern

Bremsen: Hydraulische Zweikreisbremsanlage, Monoblock-Leichtmetall-Bremssättel, belüftete Kohlefaser-Bremsscheiben vorne und hinten, Bremskraftverteilung vom Fahrer stufenlos einstellbar

Felgen: O.Z.-Schmiedefelgen aus Magnesium

Reifen: Michelin Radial, vorne: 360/710-18, hinten: 370/710-18

Länge: 4.650 mm

Breite: 2.000 mm

Höhe: 1.030 mm

Mindestgewicht: 915 kg

Tankinhalt: 58 Liter