Historie » Joest in Le Mans

Le Mans 1985

Joest und Le Mans: eine besondere Liebe

Dass das Herz von Reinhold Joest für die 24 Stunden von Le Mans schlägt, ist kein Geheimnis. Mit 15 Siegen seit 1984 ist Joest Racing das erfolgreichste Le Mans-Team aller Zeiten.

Wer das für Mensch und Material härteste Autorennen der Welt kennt, der kennt auch das Joest Racing Team. Mit nunmehr 15 Gesamtsiegen, darunter zwei Doppel- und fünf Dreifacherfolge, hat sich Joest in Le Mans einen Namen gemacht. Dass es Joest Racing zu Porsche-Zeiten dabei sogar gelang, mehrmals das Porsche-Werksteam hinter sich zu lassen, ging ebenfalls in die Geschichte ein. 

Viermal gewann Joest Racing die 24 Stunden von Le Mans als Porsche-Kundenteam. 1984/1985 und 1996/1997 gelang der Mannschaft von Reinhold Joest jeweils ein Doppelschlag. 1994 unterstütze Joest Racing darüberhinaus Porsche und Dauer Racing bei ihrem Sieg an der Sarthe.

Als sich Audi entschied, in Le Mans zu starten, war Joest Racing für die Marke mit den vier Ringen die erste Wahl. Der Erfolg spricht für sich: Beim Le Mans-Debüt von Audi gelang 1999 auf Anhieb der Sprung auf das Siegerpodest. 2000, 2001 und 2002 siegte das Audi Sport Team Joest mit dem R8 dreimal in Folge in Le Mans. Und damit nicht genug: Es gab keinen einzigen Ausfall, alle gestarteten Autos ließen stets alle Konkurrenten hinter sich. 

Nach dem historischen Hattrick in der Saison 2002 entschied sich Audi, mit dem R8 nicht mehr werksseitig in Le Mans zu starten, sondern den Einsatz Kundenteams zu überlassen. Schweren Herzens war Reinhold Joest in Le Mans 2003 nur Zuschauer. Doch seine Mannschaft unterstützte unter Leitung des Technischen Direktors Ralf Jüttner den erfolgreichen Bentley-Einsatz in Le Mans. 

2004 verstärkte Ralf Jüttner das Audi Sport Japan Team Goh, das für Audi einen weiteren Le Mans-Sieg holte. Zudem wurde Reinhold Joest vom Automobile Club de l’Ouest (ACO) mit dem Ehrenpreis “Spirit of Le Mans” ausgezeichnet. 

2006 erfüllte sich der Wunsch von Reinhold Joest, wieder nach Le Mans zurückzukehren - und das mit einem einzigartigen Projekt: dem Audi R10 TDI, dem ersten Diesel-Sportwagen, der in Le Mans um den Gesamtsieg kämpfte und diesen auf Anhieb erreichte. 

2007 siegte das Audi Sport Team Joest in einem dramatischen Rennen erneut mit TDI Power und wiederholte den Triumph 2008. Im selben Jahr gewann Joest Racing zudem mit Alexandre Prémat und Mike Rockenfeller die Le Mans Series. 2009 folgte der Wechsel zum R15 TDI. Mit einer Weiterentwicklung des Fahrzeugs feierte das Audi Sport Team Joest 2010 seinen bereits vierten Dreifach-Triumph bei den 24 Stunden von Le Mans. 

Das Duzend ist voll: 2011 errang Joest Racing seinen zwölften Sieg in Le Mans - und den nervenaufreibendsten der Team-Geschichte. Nachdem die beiden Schwesterautos nach schweren Unfällen früh ausgeschieden sind, behauptete sich der verbliebene Audi R18 TDI gegen das verfolgende Peugeot-Rudel bis ins Ziel an der Spitze. Der Deutsche Andre Lotterer, Lokalmatador Benoît Tréluyer und Marcel Fässler aus der Schweiz feierten mit einem überglücklichen Team - zumal mittlerweile feststand, dass die beiden verunglückten Teamkollegen Allan McNish und Mike Rockenfeller ihre Abflüge weitgehend unbeschadet überstanden haben.

Bei der 80. Auflage des Langstreckenklassikers im Juni 2012 schrieben Audi und Joest Racing einmal mehr Motorsportgeschichte. Die späteren Sportwagen-Weltmeister André Lotterer, Benoît Tréluyer und Marcel Fässler sorgten im Audi R18 e-tron quattro für den ersten Triumph eines Hybrid-Fahrzeugs an der Sarthe. Das Schwesterauto komplettierte einen “elektrisierenden” Doppelsieg. Die Routiniers Dindo Capello, Tom Kristensen und Allan McNish lieferten sich ein spannendes Duell mit den späteren Gewinnnern, mussten sich nach einem Unfall aber mit einer Runde Rückstand geschlagen geben. Die beiden ebenfalls von Joest eingesetzten Audi R18 ultra belegten die Plätze drei und fünf. 

2013 feierten die 24 Stunden von Le Mans 90. Geburtstag – und Joest Racing seinen 14. Sieg bei dem Klassiker. Zwei Faktoren prägten das Rennen: Unstetes Wetter und viele Safety-Car-Einsätze. „Man wusste nie, woran man eigentlich war”, bilanzierte Ralf Jüttner, der Technische Direktor von Joest Racing. Ebenfalls auffällig: Die beiden vorn platzierten Autos überstanden den Marathon ohne Zwischenfälle und jegliche technische Probleme. Entsprechend knapp fiel der Sieg des Audi R18 e-tron quattro von Loic Duval, Tom Kristensen und Allan McNish aus: Nur eine Runde betrug ihr Vorsprung vor dem schnellsten Toyota. Mit den beiden Schwesterautos belegte das Audi Sport Team Joest die Plätze drei und fünf.

2014 stand Energie-Effizienz in Le Mans im Fokus. Speed und Zuverlässigkeit bleiben aber ebenfalls Schlüsselfaktoren beim 15. Le-Mans-Sieg von Joest. 263.300 Zuschauer verfolgten die Siegfahrt von Lotterer/Tréluyer/Fässler im Audi R18 e-tron quattro. Das Schwesterauto mit der Startnummer 1 wurde Zweiter. Neben Tom Kristensen und Lucas di Grassi kam dort Marc Gené als Ersatzmann von Loic Duval zum Einsatz, der einen schweren Trainingsunfall mit leichten Verletzungen überstand. Das Audi Sport Team Joest baute den zerstörsten Audi in der Nacht von Mittwoch zu Donnerstag neu auf. Der dritte Audi mit Filipe Albuquerque, Marco Bonanomi und Oliver Jarvis wurde nach einer furiosen Startphase auf nasser Strecke unverschuldet von einem Gegner getroffen und schwer beschädigt. Das Rennen des Trios war damit in der zweiten Stunde beendet.     

Die Le Mans-Siege von Joest Racing: 
1984 Porsche 956 (#7) Ludwig/Pescarolo
1985 Porsche 956 (#7) Ludwig/“Winter”/Barilla
1996 TWR Porsche WSC95 (#7) Reuter/Jones/Wurz
1997 TWR Porsche WSC95 (#7) Alboreto/Johansson/Kristensen
2000 Audi R8 (#8) Biela/Kristensen/Pirro
2001 Audi R8 (#1) Biela/Kristensen/Pirro
2002 Audi R8 (#1) Biela/Kristensen/Pirro
2006 Audi R10 TDI (#8) Biela/Pirro/Werner
2007 Audi R10 TDI (#1) Biela/Pirro/Werner
2008 Audi R10 TDI (#2) Capello/Kristensen/McNish
2010 Audi R15 TDI (#9) Bernhard/Dumas/Rockenfeller
2011 Audi R18 TDI (#2) Lotterer/Tréluyer/Fässler
2012 Audi R18 e-tron quattro (#1) Lotterer/Tréluyer/Fässler
2013 Audi R18 e-tron quattro (#2) Duval/Kristensen/McNish
2014 Audi R18 e-tron quattro (#2) Lotterer/Tréluyer/Fässler