R joest 2

„Wir sind keine Hobby-Racer, wir wollen Resultate vorzeigen“

Reinhold Joest ist kein Lautsprecher, er meidet das Rampenlicht und gibt nur ungern Interviews. Braucht er eigentlich auch nicht, denn sein Lebenswerk spricht für sich: Der von ihm gegründete Rennstall Joest Racing zählt zu den erfolgreichsten Motorsportteams der Welt. 2018 schlägt Joest Racing ein neues Kapitel auf: Das Mazda Team Joest startet in der IMSA WeatherTech SportsCar Championship mit Mazda-Sportwagen RT24-P, der nach dem Daytona Prototype international-Reglement (DPi) aufgebaut ist. Die neue Partnerschaft hat für Reinhold Joest einen so hohen Stellenwert, dass er sich öffentlich dazu äußert.

“Ich habe sehr viele Erfahrungen gesammelt”, sagt Joest, der 1962 seine erfolgreiche Karriere als Rennfahrer begann. Noch bevor seinen Rennhelm an den Nagel gehängt hatte, gründete er 1978 seinen Rennstall, der mehr Langstreckenmeisterschaften und Le-Mans-Siege eingefahren hat, als jeder andere. “Wenn ich mal einen Fahrer hatte, der mir erklären wollte, wo der Hase langläuft, dann konnte ich ihm dank meiner Erfahrung stets Paroli bieten. Das ist sicherlich ein Schlüssel zum Erfolg. Der andere: Wir waren immer stark darin, Autos vorzubereiten, egal ob Motor, Getriebe, Fahrwerk oder Aerodynamik.”

Nach Einsätzen als Porsche- und Opel-Werksteam begann 1999 die Zusammenarbeit mit Audi, die die Sportwagenwelt jahrelang dominierte. Audi zog sich zum Saisonende 2016 sehr plötzlich und unerwartet aus der Langstrecken-WM zurück. Ein Paukenschlag, der auch Joest Racing unvorbereitet und mit entsprechender Wucht traf. Dennoch ist Joest Racing die verbliebenen Rennen mit gewohnter Professionalität und ungebrochenem Ehrgeiz angegangen.

“Natürlich hätten wir auch sagen können, wir machen nur noch Dienst nach Vorschrift, aber das war für uns nicht wirklich eine Option“, erinnert sich ein akkurat gekleideter Reinhold Joest in seinem sonnendurchfluteten Büro in Wald-Michelbach. “Wir haben bis zum Ende durchgezogen und wurden dafür mit dem Sieg im letzten Rennen in Bahrain belohnt. Damit war ich zufrieden.“ Nach dem Ende dieser Ära und schwierigen Wochen zeichnete sich aber eine neue Herausforderung ab: Mazda.

“Sollten wir die Tore für immer schließen? Alt genug dafür wäre ich ja gewesen”, sagte sich Joest nach dem Audi-Aus. “Ich hatte ein paar lange und schlaflose Nächte. Aber dann dachte ich: Das ist deine Geschichte, dein Leben, das brauchst du, das liebst du, also warum aufhören?“

Die ersten Angebote ließen nicht lange auf sich warten. Auch sehr lukrative. Ein Besuch von Team-Direktor Ralf Jüttner bei den Rolex 24 Stunden von Daytona brachte die entscheidende Wendung. Joest: „Wir hatten einige interessante Meetings mit den Offiziellen der IMSA, bei denen wir erörtert haben, was die Serie vorhat, was für Neuerungen geplant sind und wie wir als Team dort hineinpassen könnten. Ich habe die IMSA und die USA immer gemocht. Wir haben dort viele Rennen bestritten, daher war ein dortiges Engagement ein logischer Schritt.“

Am Morgen des 24-Stunden-Rennens in Daytona, gerade als die Vorstart-Zeremonien begonnen hatten, traf sich Jüttner in geheimer Mission mit den Mazda-Motorsport-Managern John Doonan und Jim Bowie, die sich nach einem starken Einsatzteam für die Saison 2018 umschauten. “Ralf war nach dem Treffen sehr optimistisch”, erinnert sich Joest. „Er sagte zu mir, dass der Mann (Doonan) ehrliches und ernsthaftes Interesse signalsiert hat. Wir haben uns danach noch einmal bei uns in Wald-Michelbach getroffen und ein weiteres Mal in Chicago (im Mazda-Regionalbüro für den Mittleren Westen), so schnell war alles unter Dach und Fach. Wenn sich zwei Partner so schnell einigen, dann ist das immer ein gutes Zeichen.”

Aus großer Wertschätzung und Loyalität hat Joest Racing eine große Zahl an Mitarbeitern weiterbeschäftigt, obwohl in der Saison 2017 kein Rennen bestritten wurde. Insofern sind die meisten Schlüsselpositionen unverändert besetzt, Einige, wie Renningenieur Jason Taylor, der zwischenzeitlich zu Ed Carpenter Racing in die Verizon Indy Car Series gewechselt war, sind zur Mannschaft zurückgekehrt und haben ihre Arbeit beim Mazda Team Joest wieder aufgenommen. Die Vorbereitungen für die Saison 2018, die mit den Rolex 24 Stunden von Daytona beginnt, sind bereits im vollen Gange. Das Team wird in Kürze einen US-Stützpunkt in der Nähe von Atlanta beziehen und arbeitet mit bekannter Akribie und nicht nachlassendem Engagement ein dicht getaktetes Programm ab, um den Mazda RT24-P weiterzuentwickeln. Joest: “Wir bringen – quasi als Gratis-Zugabe – eine Menge Erfahrung in die neue Partnerschaft mit ein. Nun gilt es, diese in Siege umzumünzen. Das sei unser großes Ziel, habe ich zu Mr. Doonan gesagt. Schließlich sind wir keine Hobby-Racer, wir wollen Resultate vorzeigen.“

R joest 2